Brand Eins drängt in den Beautymarkt

„Bin ich schön? Bin ich attraktiv, trotz meines Alters? Als junge Frau wäre ich nie auf die Idee gekommen, Brand Eins zu lesen. Jetzt steht es neben mir auf dem Sessel und ich frage mich, ob der Fotograf es auch gut im Bild hat? Ach – ich könnte ewig so weiter…“

Brand Eins drängt in den Beautymarkt, und daran kann nur eine Zielgruppenstudie Schuld sein. Schon viel zu viele Unternehmen sind Opfer hinterhältiger Soziologen und Küchentischpsychologen geworden. Und nun hat es Brand Eins erwischt. Wie bekommt man mehr Frauen dazu, Brand Eins zu lesen? Normalerweise würde man ja sagen: Gar nicht. Frauen sind in Führungspositionen nun mal unterrepräsentiert, also in der Zielgruppe, die Brand Eins im Visier hat. Demzufolge sind sie auch als Leser unterrepräsentiert. Aber so leicht gibt Brand Eins nicht auf. Und greift richtig tief in die Klischeekiste. Analysieren wird die Anzeige genauer.

Die Frau ist möglicherweise eine Unternehmerin. Dafür spricht das schwarze Kleid, der Kurzhaarschnitt, das Alter. Außerdem ist sie clever, denn sie hat rote Haare. Aber sie ist unsicher. Sie schaut in einen Handspiegel, als ob sie ihr Makeup überprüften würde. Allerdings würde die Haltung ihres Armes auch den Schluss zulassen, dass sie sich unsicher ist, ob sie nicht wieder einmal ihre Achseln rasieren sollte. Die Neigung des Kopfes legt den Hals frei, eine typische Unterwerfungsgeste, die an alle Männer gerichtet ist und ihnen signalisiert: Mag sein, dass ich erfolgreicher bin als ihr, aber trotzdem müsst ihr keine Angst vor mir haben. Ich bin ja nur ein kleines, dummes Frauchen.

Zu guter Letzt hat sich Brand Eins noch darin versucht, sublime Botschaften im Text zu verstecken. Schauen Sie mal oben links in die Ecke.  Qualität! Gleich zweimal hat Brand Eins diesen Begrif untergebracht. Doppelt hält eben besser. Und spüren Sie nicht auch, wie sich die Synapsen in Ihrem Hirn neu sortieren und eine Verbindung etablieren zwischen „Brand Eins“ und „Qualität“? Ja ha – so funktioniert Neuromarketing!