Hyperrealismus im Mediamarkt

Hyperrealismus – verstanden als Simulation von Realismus und Authentizität – ist seit geraumer Zeit ein Stilmittel der Werbung. Es ist der Versuch, sich wie Münchhausen am eigenen Schopfe aus dem Sumpf seiner Unglaubwürdigkeit zu ziehen.
Seitdem der Konsument seine Rolle und die der Werbewelt als einer durch und durch künstlichen Welt durchschaut hat, versuchen die Werbetreibenden, Ziel und Herkunft ihres Konstrukts zu verschleiern. Sie verpflanzen ihr Produkt nicht länger in eine speziell entwickelte künstliche Werbeumgebung, sondern geben vielmehr vor, es in der wirklichen Welt zu beobachten. Die wirkliche Welt des Mediamarktes ist eine Unterschichtwelt. Sie bedient einen antielitären Reflex.

Obwohl dieser Hintergrund von den Werbetreibenden selbst nicht in allen Details vollständig verstanden und mitunter einfach nur eine youtube-Ästhetik kopiert wird, verfehlt das Mittel des Hyperrealismus selten seinen Zweck.
Auch ich finde hyperrealistische Werbung ja mitunter durchaus gelungen. Mich stört allein die Verschleierung der Produktionsbedingungen. Die verwackelte Kamera, die schlechte Ausleuchtung des Bildes, die Verpixelung oder die schauspielerische Amateurhaftigkeit sind ja nicht das Arbeitsergebnis eines Dogma Regisseurs oder eines wenig begabten Knaben mit einer Super 8 Kamera, sondern Resultat einer professionellen Postproduction. Mich stört also die Lüge.

Das ist ein bisschen kindisch, da ja die größte Lüge von allen ja stets verschleiert wird: „Wenn ihr unseren Scheiß kauft, macht euch das glücklich.“ Wer jedoch Konsum als Belohnung für unbefriedigende Lebens- und Arbeitsbedingungen grundsätzlich in Frage stellt, kann unsere gesamte Wirtschaftsordnung ja gleich einmotten. Dafür fühle ich mich aber nicht zuständig. Ich mache also das, was ich immer mache: Ich verbessere das Produkt.

Mir fällt eine Freundin ein, die in einem Laden irgendeine Tüte Chips in den Händen hielt und sagt: „Das Zeug ist so geil, ich könnte die Tüte aufreißen und gleich hier in mich reinstopfen.“ Da dachte ich nur: Kamera draufhalten und fertig. Da man während dieser raren Momente des reinen Konsumglücks nur selten so geistesgegenwärtig ist und mit dem Smartphone mitfilmt, muss wohl die Community ran. Eure schönsten Momente im Mediamarkt… Da kann man auch gleich ein nettes Gewinnspiel draus machen.