Web für Small Business

Für meine Lebens-, Arbeits- & Kunstpartnerin Christine Rudolf habe ich deren Website www.byrudolf.de gebaut. Sie ist Fotografin in Lübeck und deshalb stammen alle Fotos auf der Website natürlich von ihr.

Gemeinsam bieten wir ein Bundle an: Small Websites für Small Business. Enthalten sind eine kleine Website auf WordPress Basis, Unterstützung bei der Texterstellung und ein Fotoshooting. Kostenpunkt: 2.400 Euro.
Details können Sie gern erfragen.

Redaktionelle Beiträge

Für die inform – das Kundenmagazin der BKK vor Ort – schrieb ich einige Jahre lang Beiträge. Viele Gesundheitsthemen natürlich, aber glücklicherweise hatte ich auch eine Kolumne „Kultur & Gesellschaft“, in der ich mich ein bisschen austoben konnte… Text & Bildauswahl von mir, Layout Anders Björk.

Die Familie in der Fashion Anzeige

Kleidung bildet unsere Außengrenze zur Welt. Sie liegt über unserer Haut wie eine zweite Haut. Sie lädt uns ein, unser Selbstbild zu modellieren und eine Identität zu präsentieren. Mode spürt den Selbstentwürfen der Menschen nach.

Mode sieht für mich oft gleich aus. Hemd, Hose, T-Shirt, Jacke – da kann man nicht viel mit anstellen. Deshalb wird Mode inszeniert, zum Beispiel in Anzeigen. Die Anzeige ist eine Anleitung dafür, wie der Rezipient sich inszenieren kann.

Familienaufstellung nach Dolce & Gabbana

Die älteren Kampagnen von Dolce & Gabbana scheinen ganz auf die schwule Gemeinde zugeschnitten – halbnackte Männer in mannigfaltigen Bildkompositionen. Das engt natürlich die Zielgruppe ein bisschen ein. Man möchte diversifizieren, damit der Umsatz wächst, alle mitnehmen und vorher dort abholen, wo sie sind. Deshalb hat Dolce & Gabana die Familie für sich entdeckt.

Vier Frauen bzw. Mädchen finden auf dem Foto ihren Platz. Drei davon sehen aus, als ob ihnen ein Furz quer läge. Sie haben den Kopf zu Seite geneigt – eine weibliche Unterwerfungsgeste, die den Hals frei legt. Verbuchen wir das ruhig als Tradition… Mamma scheint ganz nett zu sein. Aber das überrascht uns nicht. Wie wir wissen, steht der italienische Mann ja auf dem Standpunkt: Alles Schlampen außer Mutti. Der Hintergrund deutet ein ländliches Idyll an. Vielleicht sind wir auf Sizilien. Die gucken auch alle ein bisschen scharf, kann schon sein, dass wir es mit einer Mafiafamilie zu tun haben. Für mich steht fest: Ein Unterhemd von Dolce & Gabbana würde ich auch anziehen.

Die Familie bei Tommy Hilfinger

Bei Tommy Hilfinger sieht die Sache etwas anders aus. Dr. Mengele hat eine Beratungsfirma gegründet (oder einen Investmentfonds) und ist nun mit den Boys zum Angeln raus gefahren. Sie haben Ruten dabei, Wattstiefel und einen Golfschläger (falls man mal jemanden auf den Kopf hauen muss). Kurz und gut: Ein Haufen Schnösel, denen man wünscht, ihr Boot möge im Mahlstrom sein Ende finden – allein schon, weil sie ihr Geld nicht mit ehrlicher Kriminalität wie die Dolce & Gabbana Großfamilie verdienen, sondern damit, Anleger übers Ohr zu hauen. Was die Frau links im Bild macht, ist nicht klar. Es ist auch nicht wichtig. Sie steht am Rand, wohin die Frau in der Männergesellschaft nun mal gehört. Diese Position teilt sie sich mit dem farbigen jungen Mann auf der gegenüberliegenden Seite. Die Bildkomposition offenbart Frauenfeindlichkeit und Rassismus. Fazit: Von Hilfinger ziehe ich nichts an.

Der Latin Lover

Der traditionell unbefriedigten deutschen Frau wird in dieser Anzeige eine Alternative zur heimischen Schnarchnase aufgezeigt: der Latinlover. Will immer, kann immer, hat ordentlich Haare auf der Brust. Beim Kochen, beim Wein- oder Aperitif-Saufen, auf der Messe.
Plaza Culinaria, 5. bis 7. November. Da lassen wir es dann richtig krachen, gelle?

Hyperrealismus im Mediamarkt

Hyperrealismus – verstanden als Simulation von Realismus und Authentizität – ist seit geraumer Zeit ein Stilmittel der Werbung. Es ist der Versuch, sich wie Münchhausen am eigenen Schopfe aus dem Sumpf seiner Unglaubwürdigkeit zu ziehen.
Seitdem der Konsument seine Rolle und die der Werbewelt als einer durch und durch künstlichen Welt durchschaut hat, versuchen die Werbetreibenden, Ziel und Herkunft ihres Konstrukts zu verschleiern. Sie verpflanzen ihr Produkt nicht länger in eine speziell entwickelte künstliche Werbeumgebung, sondern geben vielmehr vor, es in der wirklichen Welt zu beobachten. Die wirkliche Welt des Mediamarktes ist eine Unterschichtwelt. Sie bedient einen antielitären Reflex.

Obwohl dieser Hintergrund von den Werbetreibenden selbst nicht in allen Details vollständig verstanden und mitunter einfach nur eine youtube-Ästhetik kopiert wird, verfehlt das Mittel des Hyperrealismus selten seinen Zweck.
Auch ich finde hyperrealistische Werbung ja mitunter durchaus gelungen. Mich stört allein die Verschleierung der Produktionsbedingungen. Die verwackelte Kamera, die schlechte Ausleuchtung des Bildes, die Verpixelung oder die schauspielerische Amateurhaftigkeit sind ja nicht das Arbeitsergebnis eines Dogma Regisseurs oder eines wenig begabten Knaben mit einer Super 8 Kamera, sondern Resultat einer professionellen Postproduction. Mich stört also die Lüge.

Das ist ein bisschen kindisch, da ja die größte Lüge von allen ja stets verschleiert wird: „Wenn ihr unseren Scheiß kauft, macht euch das glücklich.“ Wer jedoch Konsum als Belohnung für unbefriedigende Lebens- und Arbeitsbedingungen grundsätzlich in Frage stellt, kann unsere gesamte Wirtschaftsordnung ja gleich einmotten. Dafür fühle ich mich aber nicht zuständig. Ich mache also das, was ich immer mache: Ich verbessere das Produkt.

Mir fällt eine Freundin ein, die in einem Laden irgendeine Tüte Chips in den Händen hielt und sagt: „Das Zeug ist so geil, ich könnte die Tüte aufreißen und gleich hier in mich reinstopfen.“ Da dachte ich nur: Kamera draufhalten und fertig. Da man während dieser raren Momente des reinen Konsumglücks nur selten so geistesgegenwärtig ist und mit dem Smartphone mitfilmt, muss wohl die Community ran. Eure schönsten Momente im Mediamarkt… Da kann man auch gleich ein nettes Gewinnspiel draus machen.

 

Brand Eins drängt in den Beautymarkt

„Bin ich schön? Bin ich attraktiv, trotz meines Alters? Als junge Frau wäre ich nie auf die Idee gekommen, Brand Eins zu lesen. Jetzt steht es neben mir auf dem Sessel und ich frage mich, ob der Fotograf es auch gut im Bild hat? Ach – ich könnte ewig so weiter…“

Brand Eins drängt in den Beautymarkt, und daran kann nur eine Zielgruppenstudie Schuld sein. Schon viel zu viele Unternehmen sind Opfer hinterhältiger Soziologen und Küchentischpsychologen geworden. Und nun hat es Brand Eins erwischt. Wie bekommt man mehr Frauen dazu, Brand Eins zu lesen? Normalerweise würde man ja sagen: Gar nicht. Frauen sind in Führungspositionen nun mal unterrepräsentiert, also in der Zielgruppe, die Brand Eins im Visier hat. Demzufolge sind sie auch als Leser unterrepräsentiert. Aber so leicht gibt Brand Eins nicht auf. Und greift richtig tief in die Klischeekiste. Analysieren wird die Anzeige genauer.

Die Frau ist möglicherweise eine Unternehmerin. Dafür spricht das schwarze Kleid, der Kurzhaarschnitt, das Alter. Außerdem ist sie clever, denn sie hat rote Haare. Aber sie ist unsicher. Sie schaut in einen Handspiegel, als ob sie ihr Makeup überprüften würde. Allerdings würde die Haltung ihres Armes auch den Schluss zulassen, dass sie sich unsicher ist, ob sie nicht wieder einmal ihre Achseln rasieren sollte. Die Neigung des Kopfes legt den Hals frei, eine typische Unterwerfungsgeste, die an alle Männer gerichtet ist und ihnen signalisiert: Mag sein, dass ich erfolgreicher bin als ihr, aber trotzdem müsst ihr keine Angst vor mir haben. Ich bin ja nur ein kleines, dummes Frauchen.

Zu guter Letzt hat sich Brand Eins noch darin versucht, sublime Botschaften im Text zu verstecken. Schauen Sie mal oben links in die Ecke.  Qualität! Gleich zweimal hat Brand Eins diesen Begrif untergebracht. Doppelt hält eben besser. Und spüren Sie nicht auch, wie sich die Synapsen in Ihrem Hirn neu sortieren und eine Verbindung etablieren zwischen „Brand Eins“ und „Qualität“? Ja ha – so funktioniert Neuromarketing!