a cure 4 UnternehmensBlaBla | # 1 Familie

UnternehmensBlaBla – so nenne ich die Phrasen, denen man in der Unternehmenskommunikation ständig begegnet. Wie kommt es dazu? Dafür gibt es meiner Meinung nach zwei Gründe. Der eine ist Unsicherheit. Man weiß nicht genau, was eigentlich erlaubt ist, wie man kommunizieren soll und deshalb kopiert man den Mist von anderen. Der andere Grund ist Faulheit. Man mag sich nicht anstrengen, und deshalb kopiert man den Mist von anderen…

Wir sind eine große Familie

Ach ja, die Familie. Eine meiner Lieblingsphrasen. Meistens findet man sie auf den „Karriere“ Seiten, wo Personal rekrutiert werden soll. Ich frage mich dann immer, welche Art von Familie dieses Unternehmen ist. Eine, in welcher der Patriarch das Sagen hat, die Frau kuscht und putzt und die Kinder auf der Playstation daddeln, weil sich niemand um sie kümmert? Oder gibt es bei diesem Unternehmen jeden Sonntag BBQ mit den Tanten & Onkels? Okay, das ist ein bisschen gemein, ich weiß ja, was gemeint ist.

Gemeint ist vordergründig: Wir sind alle ziemlich nett zueinander und stehen füreinander ein. Das ist aber nur die halbe Wahrheit, denn wenn es nur darum ginge, könnte man auch ein Gospelchor sein statt einer Familie oder eine Yogagruppe oder so etwas in der Art. Betrachtet man die Familie jedoch im historisch-soziologischen Kontext, so zeichnet sie sich vor allem dadurch aus, dass sie Sicherheit für ihre Mitglieder generiert. „Ein Kreis des Vertrauens“, wenn man so will… (Robert de Niro in „Meine Frau, ihr Vater & ich“).

Familien betrieben seit jeher Machtpolitik, sie verbündeten (das „Einheiraten“) sich mit anderen Familien oder bekämpften sie. Ihre Mitglieder waren zum Gehorsam, zur Unterordnung verpflichtet, um dem übergeordneten Familien-Ziel zu dienen. Ist es das, was den Begriff der Familie für Unternehmen so attraktiv macht? Man kann wohl davon ausgehen, dass die Chefetage sich in der angedachten Familie nicht als Cousin dritten Grades einordnet, sondern als Patriarch (Matriarchin), der sagt, wo es lang geht. Nun – je mehr man darüber nachdenkt, umso weniger attraktiv erscheint es, Mitglied einer „Unternehmens-Familie“ zu werden.

Was kann man stattdessen sagen bzw. schreiben? Lassen Sie es einfach ganz. Unternehmen sind keine Familien. Sie sind keine Freunde und nicht einmal Personen. Sie sind Organisationen mit dem Ziel der Gewinnmaximierung. Sie sprechen die Sprache des Geldes, würde Niklas Luhmann sagen, und sind für alles andere blind. Sie sprechen nicht Kunst, sie sprechen nicht Moral, sie sprechen nicht Familie. In diesem Kontext sollten sie ihr Recruitment sehen. Sie bieten ihren zukünftigen Angestellten nicht den Schoß der Familie, sondern Respekt, Fairness und Freundlichkeit. Und das sind nun wirklich Standards…